Manchmal ist es nur ein kurzer Spaziergang – und doch fühle ich mich danach wie ausgewechselt. Heute war ich wieder im Wald. Ich ging ohne Ziel, ließ mich treiben zwischen den Stämmen, den sanften Lichtspielen und dem Rascheln unter meinen Füßen. Meine Hände streiften über Brennnesseln, ich pflückte ein paar Triebe Klettenlabkraut und spürte sofort: Die Erde spricht. Sie zeigt sich in kleinen Zeichen.
Ich finde oft Dinge am Wegesrand. Scherben. Steine. Federn. Schneckenhäuser. Nichts davon ist wertvoll im herkömmlichen Sinn. Und doch nehme ich sie mit wie kleine Botschaften. Etwas ruft mich. Vielleicht ist es die stille Schönheit des Unscheinbaren. Vielleicht auch ein inneres Erinnern.
Inmitten des Alltags ist der Wald mein Rückzugsort. Mein Atem wird tiefer, mein Kopf klarer. Mein Nervensystem atmet auf. Dass sich Zeit in der Natur messbar positiv auf unser Wohlbefinden auswirkt, belegen inzwischen viele Studien: Schon nach wenigen Minuten im Grünen sinkt der Stresspegel. Der Puls beruhigt sich, der Körper schaltet um. Die japanische Praxis des „Shinrin Yoku“ – Waldbaden – ist längst mehr als ein Trend. Es ist eine Rückverbindung.
Ich merke es ganz ohne Studien. Ich merke es, weil ich nach dem Wald anders bin.
Brennnessel und Klettenlabkraut sind mehr als Pflanzen – sie sind meine stillen Begleiter. Die Brennnessel nährt, reinigt, stärkt das Blut. Sie ist wehrhaft und zugleich fürsorglich, wie eine uralte Ahnin. Das Klettenlabkraut, so zart es wirkt, hilft beim Loslassen, beim Ausleiten, beim Reinigen von innen. Es rankt sich sanft empor, bleibt an dir hängen, will mitgenommen werden. Vielleicht deshalb nehme ich es auch mit.
Wenn ich genug Scherben und Steine finde, möchte ich irgendwann etwas daraus machen. Vielleicht ein kleines Mosaik. Etwas, das daran erinnert: Schönheit ist nicht immer heil.
Bis dahin sammle ich weiter. Pflanzen, Steine, Gedanken. Und das, was der Wald mir zuflüstert.
Was sammelst du, wenn du gehst?
Ist es ein Stein in deiner Jackentasche, ein Blatt, das dich an etwas erinnert, ein Gedanke, der leise mit nach Hause wandert?
Vielleicht braucht es gar nicht viel. Nur einen Moment des Stehenbleibens. Ein stilles Ja zur Sprache der Natur.






Mondwärts-Tee für den Juni
Reinigender Wildkräuter-Tee mit Brennnessel und Klettenlabkraut
Wenn du die Kraft der Wildpflanzen auch innerlich spüren möchtest, schenkt dir dieser Tee eine sanfte Reinigung von innen – stärkend, klärend und nährend.
🍀 Zutaten (für 1 Tasse oder eine kleine Kanne):
– 1 TL getrocknete oder 1 EL frische Brennnesselblätter
– 1 TL getrocknetes oder 1 EL frisches Klettenlabkraut
– optional: etwas Zitronenmelisse oder Minze für den Geschmack
– heißes Wasser (ca. 90 °C)
🍀Zubereitung:
Die Kräuter mit heißem Wasser übergießen und abgedeckt 8–10 Minuten ziehen lassen. Abseihen und möglichst frisch trinken – am besten morgens oder mittags.
🍀Wirkung:
Brennnessel stärkt und entschlackt, sie wirkt blutreinigend, mineralisierend und entzündungshemmend. Klettenlabkraut unterstützt das Lymphsystem und hilft beim inneren Loslassen. Ein Tee wie eine kleine Waldumarmung.


