21. Juni – Sonnenhochzeit des Jahres

Am 21. Juni erreicht die Sonne ihren höchsten Stand am Himmel. Es ist der längste Tag, die kürzeste Nacht – ein Schwellenmoment zwischen Überfluss und Rückkehr.
Die Alten nannten diesen Tag Sommersonnenwende, Litha oder auch Alban Hefin – das „Licht des Sommers“ im keltischen Jahreskreis.
Die Sonne steht still – so der ursprüngliche Sinn des Wortes Sonnenwende („Solstitium“).
Für einen kurzen Moment scheint alles innezuhalten. Die Zeit dehnt sich.
Und inmitten dieses goldenen Atems spüren wir: das Licht hat seinen Zenit erreicht. Von nun an kehrt es – kaum merklich – wieder heim in die Dunkelheit.
✨Brauchtum & Rituale
Die Sommersonnenwende war in vielen Kulturen ein Fest des Feuers, der Fülle und der Reinigung:
In nordischen und keltischen Ländern wurden große Sonnenwendfeuer entfacht, die Dämonen fernhalten und Fruchtbarkeit bringen sollten.
Paare sprangen Hand in Hand über die Flammen – ein uraltes Segensritual für Liebe, Mut und Neubeginn.
Man flocht Blumenkränze aus Johanniskraut, Beifuß, Farn und anderen Schutzpflanzen und warf sie ins Feuer – als Opfergabe und Bitte.
In slawischer Tradition wurden Nachtfalter und Glühwürmchen als Seelenlichter gedeutet, die in dieser Nacht besonders aktiv seien.
Die Menschen tanzten, sangen, liebten, hielten Zwiesprache mit der Natur – es war ein Fest des Lebens selbst.
✨Mythologie & innerer Weg
In vielen alten Mythen steht die Sommersonnenwende für die Hochzeit von Himmel und Erde, von Gott und Göttin, von Licht und Schatten.
Der keltische Sonnengott Lugh wird in dieser Zeit geehrt – ein Gott des Lichts, der Handwerkskunst und der Klarheit.
Auch die große Göttin zeigt sich jetzt in ihrer kraftvollsten Form – als Lichtmutter, Sonnenkönigin, als Hüterin des Reifens.
Doch in manchen Überlieferungen stirbt der Lichtkönig in dieser Nacht – denn mit der Wende beginnt der Weg ins Dunkle. Ein Tanz von Werden und Vergehen.
Für uns kann die Sommersonnenwende bedeuten:
innezuhalten und das eigene Licht zu würdigen
sich zu fragen: Was ist in mir gereift?
bewusst loszulassen, was nicht mit in die dunklere Jahreshälfte soll
Kraft zu schöpfen aus der Fülle, aus der Gemeinschaft, aus der Natur
✨
Vielleicht ist dies die leise Einladung der Sommersonnenwende:
Nicht das ewige Licht ist das Ziel – sondern das bewusste Gehen durch den Wandel.
Ein Erinnern, dass in jedem Hoch das Tief mitschwingt – und dass dies kein Verlust ist, sondern Teil des kosmischen Tanzes.
Solea Fontaine


