Ein persönlicher Rückblick von Solea Fontaine
Der Juni ist gegangen – nicht laut, nicht abrupt, sondern wie der letzte goldene Schein am Horizont.
Zurück bleibt Wärme auf der Haut, ein feiner Duft von Heu in der Luft und das leise Gefühl, dass etwas in mir zur Ruhe gefunden hat.
Ich habe mir Zeit genommen.
Zeit, um langsamer zu gehen, tiefer zu atmen, stiller zu lauschen.
Besonders im Wald habe ich sie gefunden – diese stille, heilende Kraft, die sich ausbreitet wie ein sanftes Moos unter den Füßen. Zwischen Farnen und Vogelgesang sammelte ich Kräuter: Klettenlabkraut, Schafgarbe, Brennnessel. Ich ließ mich führen – nicht vom Plan, sondern vom Gefühl.
Der Wald wurde ein Ort, an dem ich mich selbst wieder spüren konnte.
Manchmal setzte ich mich einfach auf einen gefallenen Baumstamm, schloss die Augen und ließ meine Gedanken ziehen wie Wolken.
Ich hörte das Knacken von Ästen, das Rascheln kleiner Pfoten im Unterholz – vielleicht Reh, vielleicht Maus, vielleicht Waldgeister.

Zuhause besuchten mich jeden Abend Glühwürmchen – sie kamen auf den Balkon, zwischen Lavendel und Minze, tanzten durch die warme Luft und schenkten mir einen Hauch von Magie.
Manchmal saß ich einfach da und staunte. Über diese kleinen, leuchtenden Wesen. Über das Leben.

Einmal flog mir ein Rotschwänzchen in die Wohnung.
Ich sprach ruhig mit ihm, hielt den Raum. Es flatterte aufgeregt, aber dann fand es den Weg hinaus – in die Weite, ins Licht.
Vielleicht war es ein Symbol – für etwas in mir, das ebenfalls Freiheit suchte.

Auch in einer Freundschaft wurde es still. Kein Streit, kein Groll – nur Stille. Ich habe nicht nachgezogen, nicht gedrängt. Stattdessen schrieb ich einen Text, als inneren Abschied. In Würde losgelassen. Vielleicht für eine Weile. Vielleicht für immer.
Zur Sommersonnenwende saß ich lange draußen.
Ich spürte das Licht, das noch in der Nacht leuchtete, und den Wendepunkt, der sich sanft ankündigte. Der Erdbeermond rundete diesen Übergang ab – süß, zart, verletzlich.
Ich pflückte wilde Erdbeeren am Wegrand und fühlte mich wieder wie ein Kind.
Verwurzelt. Geborgen.

Der Juni hat mich eingeladen, fürsorglicher mit mir selbst zu sein.
Mich nicht zu drängen. Nicht zu überfordern. Sondern zu lauschen, zu spüren, zu vertrauen.
Ich danke dir, Juni –
für das Leuchten auf dem Balkon,
für das Kräutergrün im Wald,
für das stille Werden in mir.
Noch werden die zwei letzten Tage im Juni genossen und dann darf der Juli kommen.
Mit neuen Tönen.
Ich bin bereit.
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