Getreidemond – Die reife Zeit

Von Fülle, Ernte und der Kraft der Dankbarkeit

Der August bringt uns einen besonderen Vollmond – den Getreidemond.
Er leuchtet warm und rund am Sommerhimmel, als wolle er uns sagen: Jetzt ist es Zeit, zu ernten. Nicht nur auf den Feldern – auch in uns.

Dieser Mond trägt eine uralte Botschaft:
Was gesät wurde, darf nun Frucht tragen.
Was gewachsen ist, darf gesehen werden.
Was lange verborgen war, darf ans Licht.

Ein Mond der Reife

Im Jahresrad steht der Getreidemond in der Zeit der Schnitterin – jenem archetypischen Moment, in dem wir erkennen, was wir behalten und was wir loslassen wollen.
Die Felder werden golden, die Halme neigen sich dem Boden entgegen – voll, schwer, bereit.
In der Natur wie in uns wird deutlich:
Nicht alles, was wächst, muss bleiben.
Nicht jede Ähre bringt gutes Korn.
Doch all das gehört zum Reifungsprozess.

Der Getreidemond lädt uns ein, Rückschau zu halten:
Was habe ich in diesem Jahr genährt?
Was hat sich entwickelt – in mir, in meinen Beziehungen, in meinem Alltag?
Wofür bin ich dankbar?

Die Essenz der Ernte

Oft sind wir so sehr im Tun, dass wir vergessen, innezuhalten.
Doch jede Ernte braucht eine Pause. Ein Spüren. Ein Würdigen.
Der Getreidemond bringt diese Energie mit sich.
Er erinnert uns an den Kreislauf des Lebens: Säen, Wachsen, Reifen, Ernten – und wieder Loslassen.

Vielleicht hast du etwas begonnen, das nun erste Früchte trägt.
Vielleicht zeigt sich eine Erkenntnis, die lange in dir schlummerte.
Vielleicht darfst du auch einfach stolz sein auf all das, was du im Innern bewegt hast – still, unbemerkt, aber kraftvoll.

Eine urweibliche Kraft

Der Getreidemond steht auch für die nährende Kraft der Weiblichkeit.
Er ist verbunden mit der Muttergöttin, mit der Erde, mit allem, was trägt und hält.
In alten Kulturen wurden in dieser Zeit Brote gebacken und Opfergaben aus Korn gebracht – als Dank an das Leben, die Natur, die Zyklen.

Auch heute können wir uns wieder mit dieser uralten Geste verbinden:
Ein Brot backen, ein Lied singen, eine Schale mit Ähren, Kräutern und Beeren füllen – als Zeichen dafür, dass wir empfangen und danken können.

Ein kleines Ritual zum Getreidemond

Nimm dir an diesem Vollmondabend einen Moment für dich.
Gehe hinaus – vielleicht barfuß über Wiesen oder Felder.
Sammle einen Grashalm, ein Korn, eine Feder – etwas, das dir begegnet.

Zünde abends eine Kerze an. Halte das, was du gefunden hast, in der Hand. Und frage dich:

Was habe ich in mir genährt?

Was darf ich ernten – innerlich wie äußerlich?

Wofür bin ich heute dankbar?

Du kannst deine Gedanken aufschreiben oder einfach spüren.
Ernte beginnt im Herzen.

Zwischen Dankbarkeit und Neubeginn

Der Getreidemond ist nicht nur ein Moment des Feierns, sondern auch des Abschieds.
Nach der Ernte beginnt langsam das Loslassen.
Die Tage werden kürzer, das Licht weicher.
Etwas in uns weiß: Es kommt die Zeit des Rückzugs, der Innenschau.

Doch noch ist der Sommer da – mit seinem Überfluss, seinem Duft, seiner Wärme.
Der Getreidemond ruft uns dazu auf, diesen Moment zu ehren.
Nicht zu hasten, nicht zu planen – sondern da zu sein.
Mit offenen Augen.
Mit einem vollen Herzen.

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